„Muss ich meine Gabionen eigentlich einwintern?" Die kurze Antwort: nein. Die etwas längere: Es gibt einen Punkt, der tatsächlich zählt – und der hat nichts mit dem Korb zu tun, sondern mit dem, was darunter liegt.
Was Frost mit dem Draht macht
Praktisch nichts. Stahl zieht sich bei Kälte minimal zusammen, die Maschenstruktur nimmt das elastisch auf. Die Zink-Aluminium-Beschichtung ist gegenüber Feuchtigkeit, Frost-Tau-Wechseln und Streusalzsprühnebel unempfindlich. Genau dafür wurde sie entwickelt und in Korrosionsprüfungen – unter anderem unter Seeklima-Bedingungen auf Helgoland – getestet.
Eine Einschränkung: Wo die Beschichtung mechanisch beschädigt ist – etwa durch einen Schlag mit dem Schneeschieber oder Rangierschaden – kann Feuchtigkeit angreifen. Solche Stellen entdeckt man am ehesten im Spätherbst und behandelt sie mit Zinkspray.
Was Frost mit den Steinen macht
Bei frostbeständigen Gesteinen wie Granit und Basalt: nichts. Bei manchen Kalksteinsorten kann es über viele Jahre zu oberflächlichen Absplitterungen kommen, wenn Wasser in Poren eindringt und gefriert. Das ist optisch ein Thema, kein statisches – und ein Argument, beim Kauf auf ausgewiesene Frostbeständigkeit zu achten.
Das eigentliche Thema: Frosthebung
Hier liegt der Punkt, der über die Standfestigkeit entscheidet. Gefriert Wasser im Boden unter der Gabione, dehnt es sich aus und hebt die Konstruktion an. Beim Auftauen sackt sie wieder ab – aber nicht unbedingt gleichmäßig. Über mehrere Winter führt das zu schiefen Wänden und aufgehenden Fugen zwischen den Körben.
Das Gegenmittel ist ein sauber ausgeführtes Fundament: eine mindestens 20 cm starke Schotterbettung aus Körnung 0/32 oder 0/45, gut verdichtet, seitlich etwas über die Gabionenbreite hinaus. Schotter hält kein Wasser – und was nicht gefriert, kann auch nicht heben. Bei hohen Stützmauern und bindigen, staunassen Böden entsprechend tiefer.
Die kurze Winter-Checkliste
- Sichtprüfung im Spätherbst: Sitzen Spiralen und Steckschließen fest? Gibt es Beschädigungen an der Beschichtung?
- Füllung nachfüllen: Falls die Steine über das Jahr gesackt sind, jetzt auffüllen – im Frost geht das schlechter.
- Wasserablauf prüfen: Läuft Wasser vor und hinter der Mauer sauber ab, oder staut es sich?
- Schnee einfach liegen lassen: Die Schneelast ist für eine gefüllte Gabione kein Thema. Nur direkt an Gehwegen räumen – und dabei nicht gegen den Draht schlagen.
- Streusalz sparsam: Nicht wegen der Gabione, sondern wegen der Bepflanzung davor.
Und die Bepflanzung?
Etablierte Fugenpflanzen wie Sedum, Hauswurz oder Thymian überstehen den Winter problemlos – sie stammen aus felsigen Standorten und sind genau darauf ausgelegt. Nur im ersten Winter nach dem Pflanzen kann bei sehr exponierten Lagen etwas Reisig als Schutz nicht schaden.
Kann man im Winter überhaupt bauen?
Solange der Boden nicht gefroren ist: ja. Der Korb selbst lässt sich bei jeder Temperatur aufstellen und befüllen. Kritisch wird es nur beim Fundament – in gefrorenem Boden zu graben ist mühsam, und frisch verdichteter Schotter sollte nicht sofort durchfrieren. Wer im Januar Zeit und mildes Wetter hat, kann durchaus loslegen.
Der Winter ist ideal, um Maße zu nehmen und zu kalkulieren. Im Gabionen-Konfigurator spielen Sie Varianten in Ruhe durch – und im Frühjahr steht alles bereit.